Markus Hahn
Freizeit / Reiseberichte


Moçambique 2001

Reise vom 31.01.2001 bis 18.02.2001

Bei meiner Reise nach Mosambik im Februar/März 2000 hat mich das Land so sehr fasziniert, dass bereits vor dem Ende der letzten Reise klar war, dass ich es bald wieder besuchen wollte. Durch das tapfere Einsparen von Urlaubstagen gelang es mir, mich für 2 1/2 Wochen von meinem Arbeitgeber zu verabschieden. Die Familie konnte nicht, wegen anstehender Prüfungen und schulischen Verpflichtungen, und wollte mich auch in diesem Jahr wegen der großen Hitze nicht begleiten, und so reiste ich zusammen mit Christoph.

Mittwoch, 31. Januar 2001

Das Flugzeug von Hamburg nach London war pünktlich, und nach 1 1/4 Stunde landeten wir in London Gatwick. Dort mussten wir ersteinmal unsere Uhr um eine Stunde auf 18:15 Uhr zurückdrehen und bis zum Abflug um 21:15 Uhr warten. Die Zeit vertrieben wir uns im Flughafen, schauten uns Bücher, Videospieler, CDs und staubsaugende Flughafenbedienstete an und flogen dann pünktlich ab in Richtung Harare. Wir hatten Glück und jeder von uns ergatterte eine eigene Sitzreihe mit drei Plätzen am Fenster, wo wir es uns bequem machten.

Donnerstag, 01. Februar 2001

Obwohl wir viel Platz hatten, konnten wir nicht besonders gut schlafen, landeten allerdings bei strahlender Sonne pünktlich um 9:00 Uhr in Harare (die Uhr mussten wir vorher aber ersteinmal um zwei Stunden wieder vordrehen). Die Zoll- und Visumformalitäten brachten wir recht schnell hinter uns. Da ein neues Visumverfahren eingeführt wurde, waren auch die Zollbeamten noch ein wenig unsicher. Wir erhielten nach einigem Hin und Her und mehreren Stempeln ein Double Entry Visum mit der Nummer 000001 und 000002. Vor dem Flughafen handelten wir mit einem Taxifahrer den Preis von 750 Zim$ aus, um zum Hotel Bronte gefahren zu werden. Vorher wollten wir noch an einer Wechselstube Geld wechseln. Die uns empfohlene Wechselstube in der Fifth Avenue hatte allerdings geschlossen und so zahlten wir am Hotel Bronte das Taxi mit 15 US$ zu einem Kurs von 65 und bekamen noch einen Rest in Zim$. Bei dieser Operation war Kopfrechnen angesagt, und es dauerte eine ganze Weile, bis wir uns einig waren. Im Hotel bestellten wir uns einen Tee, gaben an der Rezeption Bescheid, dass wir verabredet seien und warteten bis halb zwölf. Dann kam Senhor Jonasse (Mitarbeiter der Escola de Artes e Oficio in Chimoio) und gab Bescheid, dass er uns eine halbe Stunde später abholen würde. Kurz danach saßen wir mit all unserem Gepäck im Jeep und fuhren in Richtung Harare. Am Halfway House (auf halber Strecke) luden wir Jonasse zum Essen ein und fuhren dann nach einem kleinen Aufenthalt in Mutare über die Grenze nach Mosambik. Auch hier verliefen die Zollformalitäten recht reibungslos, eine Überprüfung des Gepäcks auf der Ladefläche wurde von Jonasse mit der Bemerkung '... da ist nur Reisegepäck drin, die wichtigen Sachen liegen auf dem Rücksitz und das sind nur Bücher!' verhindert. In Manica, dem Ort, von dem die ganze Provinz Manica ihren Namen hat, lud uns Jonasse zu einem Bier ein. Ein zweites Bier 'another beer for the road' konnten wir nur ganz knapp verhindern. Jonasse selbst hat sich natürlich nur mit Mineralwasser versorgt und war überhaupt ein sehr guter Autofahrer. Zügig und sehr vorausschauend! In Chimoio lud er uns dann bei Gabriele und Gerd ab, wo wir sehr freundlich aufgenommen wurden. Nach einem leckeren Essen (Ziegenfleisch, Reis, Gemüse und Salat) und einer Reihe Mangos sind wir dann auch ins Bett.

Freitag, 02. Februar 2001

Am Morgen sind wir direkt nach dem Frühstück in die Stadt gegangen, haben den Arbeiten bei einer Fahrbahnmarkierung zugesehen, der Eröffnungsrede des neuen Schuljahres einer Hochschule zugehört und Geld gewechselt. Dann sind wir über den Marktplatz immer in Richtung 'Cabeça do Velho' (Berg in der Form des Kopfes eines alten Mannes) gelaufen und haben dabei mit unseren weißen Gesichtern viel Aufsehen Singende Frauen erregt. Gegen Mittag sind wir in sengender Hitze über den heißen Fels bis zur Stirn des Alten gelaufen, wo aus einer schattigen Hecke sehr schöner, afrikanischer Gospelgesang herauskam. Nachdem wir eine zeitlang im Schatten hockend der Musik gelauscht hatten, haben wir uns bemerkbar gemacht und durften auch mal in das Gebüsch klettern. Dort saßen 10 bis 20 Frauen, zum Teil mit ihren Kleinkindern auf dem Rücken und sangen und klatschten freudig zur Musik. Sehr eindrucksvoll, vor allem als nach einem Lied durch einen kurzen Kommandoton alle Frauen auf die Knie fielen und ein lautes, monotones Schnattern erklang. Wir haben uns dann verdrückt und sind langsam durch die siedende Hitze den ganzen Weg zurück gegangen. Unterwegs tranken wir eine Fanta und kauften uns für 500 Meticais jeweils drei köstliche Bananen. Bei Gabriele und Gerd warteten wir, bis Medardus aus Beira kam. Nach einer herzlichen Begrüßung packten wir erneut unsere Sachen und fuhren mit dem Auto wieder in Richtung 'Cabeça do Velho', um diesen noch einmal zu besteigen - diesmal auf die Nase. Da die Sonne schon lange Schatten warf, war diese Wanderung auch wieder ein Erlebnis für sich. Zum Abschluss wollten wir noch ein kleines Bier trinken und wurden dabei von den Barbesitzern zu weiteren Getränken eingeladen. Als es dann endgültig dunkel war, fuhren wir zurück zu Gabriele und Gerd und gingen mit diesen in ein kleines Restaurant am Rande der Stadt, wo wir 'Cordonices' (Wachteln) aßen.

Samstag, 03. Februar 2001

Samstag morgen starteten wir in aller Frühe mit dem Auto in Richtung Garuso. Dieser Ort liegt einige Kilometer abseits der Straße und ist über einen schmalen Weg zu erreichen. Auf der Straße lagen überall immer wieder strahlend gelbe Mango-Kerne. Mangos sind in dieser Zeit eines der Hauptnahrungsmittel und werden auch unterwegs auf der Rindenboot Straße gegessen. Die großen, gelben Kerne landen nach dem Verzehr da, wo man sich gerade befindet. In Garuso gab es eine große Ferienanlage, die inzwischen geschlossen war. Wir baten den Wächter um Einlass und konnten das Auto dort abstellen. Von dort wanderten wir über einen Weg in Richtung des steilen Felsen, den wir erklimmen wollten. Der Weg führte an einem Weiher vorbei zu einer kleinen Bananenplantage - jedoch nicht auf den Berg. Also kehrten wir um und fuhren an den Stausee zur 'Casa Mssica', wo wir in einem Swimming Pool badeten und zu Mittag Krokodilfleisch verspeisten. Nach dem Essen fuhren wir immer am Stausee entlang zu dem eindrucksvollen Staudamm, wo Medardus sogar ins Wasser ging. Das Wasser sah ungeheuer einladend aus, aber wir haben uns wegen der stark verbreiteten Bilharziose nicht getraut. Immerhin hätten wir für umgerechnet 7,00 DM ein Rindenboot kaufen können, das - wie wir sehen konnten - zu dritt gut zu bedienen ist: Einer macht nichts, einer rudert und einer ist die ganze Zeit mächtig am Lenzen. Wir haben kein Rindenboot gekauft, sondern die letzte Gelegenheit genutzt, um uns noch an ein paar Refrescos (Erfrischungen) gütlich zu tun.

In den Bergen von Cettesierras

Nach und nach fuhren wir mit dem Auto immer weiter in Richtung Berge, an einsamen, strohbedeckten Lehmhütten vorbei auf der roten Sand- und Lehmstraße. Je höher wir kamen, desto unwirklicher wurde die Landschaft. Wir fuhren durch endlose Wiesen vorbei an dichtem Urwald auf einer Straße, die durch tiefe Spuren fast unpassierbar war. Nur durch ständiges Prüfen der Spur und geschicktes Balancieren auf den vorhandenen Erhöhungen konnten wir ein Aufsetzen bzw. Steckenbleiben des Fahrzeugs verhindern. Am Ende der Straße, auf der Höhe des Bergkamms, bauten wir unser Zelt auf, entzündeten ein Lagerfeuer und legten uns bei eisiger Kälte recht früh schlafen. Dummerweise haben wir in der tropischen Hitze im Tal gar nicht daran gedacht, dass es in 'Cettesierras' auf ca. 2000m Höhe nachts ganz schön abkühlen kann und haben entsprechend gefroren.

Sonntag, 04. Februar 2001

Kurz vor Sonnenaufgang krochen wir verfroren aus dem feuchten Zelt, packten es ins Auto und fuhren zurück ins Tal. Als wenig später die ersten Sonnenstrahlen den dichten Urwald durchdrangen, stieg die Temperatur rasch wieder auf angenehme Werte. Unterwegs haben wir immer wieder angehalten, um einsame Dörfer, wilden Urwald und blühende Orchideen zu fotografieren. In einem kleinen Dorf haben wir dann Medardus vor den Bergen von Cettesierras gefrühstückt, Cola und trockene Kekse, und uns dabei von den herumlaufenden Kindern ein wenig von ihrer Lebensweise erzählen lassen. Dann ging die Fahrt weiter durch eine endlose einsame Landschaft. Obwohl die Straße nicht befestigt war, kamen wir gut weiter und trafen unterwegs auch auf eine Horde Paviane. Nach einer Weile fing es dann an zu regnen und die trockene Landschaft verwandelte sich schnell in eine endlose Schlammmasse. In der Ortschaft Sussundenga suchten wir nach einer Möglichkeit, zu Mittag zu essen und fanden ein kleines Restaurant mit Blick auf das rege Treiben am Marktplatz. Nur durch ein Gitter getrennt beobachtete uns eine Horde von ca. 16 Kindern und schaute ungläubig auf den Finger, den sich Medardus von seiner linken Hand abzog und in den Mund steckte. Als dann das Essen gebracht wurde, scheuchte die Wirtin die Kinder mit einer kurzen Handbewegung weg, die uns den Rest der Zeit in Ruhe essen ließen. Von Sussundenga ging es dann wieder zurück nach Chimoio, wo wir bei Gabriele und Gerd Kaffee tranken und uns auf den Weg nach Beira machten. Unterwegs kauften wir noch Gemüse, Früchte und Holzkohle ein, besuchten den Kirchturm von Gondola und einen großen Baobab-Baum. Bereits bei der Brücke über den Rio Pungue fing ein starkes Gewitter an, das bis Beira anhielt. Zuhause begrüßten wir Neusa und die Angestellten und setzten uns an den gedeckten Tisch. Zum Abendessen gab es Muscheln als Vorspeise, auf Holzkohlefeuer gegrillte Krabben, frischen Fisch, Reis, Pommes Frites, Salat und einen portugiesischen Karamelpudding.

Montag, 05. Februar 2001

Am Morgen sind wir schon recht früh aufgestanden, um mit Medardus im Wohnzimmer zu frühstücken. Wir saßen versammelt um einen kleinen Couchtisch und schauten Frühstücksfernsehen der Deutschen Welle an. Nachdem Medardus in die Klinik gegangen ist, haben wir uns fertig gemacht und sind zur chapa (Sammeltaxi) Haltestelle gegangen. Dort haben wir noch keine Minute gestanden, als uns auch schon eine chapa für 3.000 Meticais in die Stadt brachte. Von der Baixa sind wir über die Brücke am Gefängnis vorbei zum Zentralplatz und von dort auf die Praia Nova. Dort Schiffsfriedhof auf der Praia Nova haben wir dem geschäftigen Treiben auf dem Schiffsfriedhof zugesehen, wie aus alten, verrosteten Wracks wieder fahrtüchtige Fischerboote geschweißt wurden. Zurück gingen wir am Strand entlang, zu Fuß am Grand Hotel und Complesso Oceana vorbei bis nach Palmeiras, um von dort den letzten Rest mit einer chapa zu fahren. Nach Mittagessen und Mittagsschlaf, der in der Hitze unverzichtbar ist, sind wir kurz zu dem neuen Haus gefahren, das Medardus sich kaufen möchte, um es auch von innen zu begutachten. Es ist das Gebäude, in dem zur Zeit die internationale Schule untergebracht ist und sieht sehr gut aus. Da Medardus zum Unterricht musste, fuhr er uns noch schnell in die Stadt, von wo wir dann zu Fuß langsam wieder bis nach Macuti zurückgegangen sind. Vor dem Krankenhaus trafen wir Medardus wieder und fuhren vom 'E porchè naô' wo nichts los war, zum 'Biques', wo wir Manica mit Sprite tranken und den Abend genossen. Wenig später zog ein schweres Gewitter auf und beim Abendessen zu Hause regnete es in Strömen und Blitze durchzuckten das Dunkel der Nacht. Abends saß ich noch schwitzend vor dem Rechner am Schreibtisch von Medardus, um eine kurze Nachricht nach zu Hause zu schreiben. Dabei war es durch den Regen noch verhältnismäßig kühl. Im Hof des Nachbarn schlurfte eine Wasserpumpe wie ein alter Frosch vor sich hin und wurde nur manchmal durch das Prasseln des Regens übertönt. Als das vermeintliche Schlurfen der Wasserpumpe mal kurz aufhörte und wieder anfing wusste ich es besser: Das war gar keine Wasserpumpe, sondern eine Horde von Fröschen, die da quakten.

Dienstag, 06. Februar 2001

Nach dem Frühstück sind wir am Krankenhaus vorbei marschiert und in Richtung der Reisfelder gegangen. Schon nach wenigen Metern in die Reisfelder gab es kein Weiterkommen: Durch den starken Regen der vergangenen Tage war das Wasser angestiegen und es gab keinen direkten Weg in die Felder mehr. Also sind wir am Rand der Reisfelder entlang zur Straße, dann nach links und bei der Siedlung wieder nach rechts. Die Familie, die mich letztes Jahr zum Frühstück einladen wollte, war nicht da und wir spazierten einfach weiter. Vorbei an kleinen Häusern, in denen die Menschen ihrem Alltag nachgingen, vorbei an Strohhütten, vor denen Kinder mit Kokosnussschalen Autorennen spielten und das Rad schlugen, vorbei an Reisfeldern, in denen die Frauen bis zu den Knien im Wasser standen und sich der Pflege ihrer Pflanzen widmeten. Dabei war es bewölkt, sehr feucht und fürchterlich heiß. Der Schweiß triefte nur so von der Nase. Wir gingen eine Zeitlang parallel zur Straße zum Leuchtturm und versuchten dann, uns durch Kinder mit Angel eine weitere Siedlung bis zur Straße durchzuschlagen. Von freundlichen Leuten über die kleinen Dämme der Reisfelder geleitet, gelang es uns zwar, den Übergang bis zur Straße zu finden, aber der Weg war so schlammig - 'Matope, matope', dass wir wieder umkehrten. Das letzte Stück fuhren wir dann mit der chapa, denn die Hitze hat uns ganz schön zu schaffen gemacht. Als wir zu Hause waren, fing es während des Mittagessen auch wieder stark an zu regnen, so dass wir, nach einer kurzen Dusche im warmen Regen, einen kleinen Mittagsschlaf machten. Nachmittags sind wir dann mit Medardus in die Stadt, der dort im Sindacato arbeiten musste. Wir haben uns in der Klinik ein wenig umgesehen - der Untersuchungsraum stand ca. 5 cm unter Wasser - und sind dann ein wenig in der Stadt herumgelaufen. Danach haben wir vor der Klinik auf Medardus gewartet und uns das bunte Treiben auf der Straße angeschaut. Als Medardus fertig war, fuhren wir mit dem Auto durch die Stadt zum Einkaufen, holten Neusa von der Fahrschule ab und gingen ins Tropicana, um direkt am Strand mit Manica und Sprite die Kehlen zu kühlen. Danach ging es nach Hause, wo es zum Abendessen eine gute Bohnensuppe ohne Bohnen gab. Die Temperaturen lagen zwischen 29 und 34 Grad und es herrschte eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Das Wetter hier in Beira ist zu dieser Zeit recht regnerisch. Viele Wolken am Himmel und ab und an ein kräftiger Gewitterschauer, der aber keine Abkühlung brachte.

Mittwoch, 07. Februar 2001

Heute morgen schien die Sonne, und wir sind direkt nach dem Frühstück in die Stadt, um dort einen kleinen Kreuzschlitzschraubenzieher für die defekte Videokamera von Medardus zu kaufen. Zuerst haben wir es am T'Sugamoio versucht, wurden von dort dann aber in die Stadt geschickt, wo wir in einem Werkzeugladen schließlich auch ein Set von kleinen Schraubenziehern kaufen konnten. Danach sind wir noch zum Kai an der Praia Nova gegangen und haben den Leuten beim Abwracken der Schiffe zugeschaut. Zurück sind wir dann mit einer chapa, haben uns kurz die Badesachen angezogen und sind im 'E porchè naô' eingekehrt und kurz schwimmen gewesen. Nachdem wir im Oceana zu Mittag Pizza gegessen haben, sind wir in Richtung Rio Maria zum Strand von Salinas gefahren. Dort haben wir Drachen steigen lassen, Burgen gebaut und sind noch eine Weile durch die Dünen zu den Fischerhütten gelaufen. Im Meer schwimmen zur Zeit kleine blaue Bläschen mit ca. 30 cm langen Tentakeln, die, wenn man sie berührt, eine Zeitlang fürchterlich brennen. Ansonsten ist das Wasser schön warm mit hohen Wellen. Das Wasser ist durch die Regenfälle und die starke Brandung recht trüb und der von meinem Vater im letzten Jahr geprägte Begriff 'Wurstsuppe' findet auch jetzt wieder Anwendung. Solange wir am Strand waren, passten zwei kleine Jungen auf das hinter den Dünen geparkte Auto auf. Als wir zurück kamen und die Jungs für ihre Arbeit bezahlten, zeigte uns einer seine entzündeten Füße und bat uns mitgenommen zu werden. Entgegen der Regel, nie jemanden im Auto mitzunehmen fuhren wir den Kleinen mit seinem Kumpel bis zum nächsten Dorf, wo der Junge seine wunden Füße ganz vergaß und stolz wie Oskar mit den anderen Jungen wegrannte. Wir haben uns dort vor eine kleine Blechdachhütte gesetzt und etwas getrunken. Als wir saßen, standen sehr schnell zehn bis zwanzig Kinder um uns herum, um uns zu begutachten. Zuhause angekommen duschten wir und fuhren zum Acampamento, um im 'Wings' Essen zu gehen.

Donnerstag, 08. Februar 2001

Medardus hat ab heute morgen 24 Stunden Bereitschaftsdienst und so sind wir direkt nach dem Frühstück zu Fuß bis zum Leuchtturm gegangen, um dort auf dem Dach des verlassenen Hotels die Aussicht zu genießen. Dann sind wir an den Fischerhütten am Strand entlang gelaufen und haben den Männern beim Fischen und den Frauen beim Muschelsuchen zugeschaut. Wir sind in der Brandung bis zu der Stelle gelaufen, an der wir am Tag davor schwimmen waren und liefen dann in der brütenden Hitze bis zu dem kleinen Dorf, in dem wir abends eingekehrt waren. Dort erkannte man uns natürlich gleich wieder und wir setzten uns auf der winzigen Terrasse der kleinen Hütte auf zwei kleine Hocker an einen wackligen Tisch und bestellten Tanzende Kinder ein paar Refrescos. Einige Stunden blieben wir im Schatten sitzen und beobachteten die kleinen Verkaufsstände, die mit dem Lauf der Sonne im Schatten ständig ihre Position änderten, beobachteten die Passanten und die tanzenden, spielenden Kinder, sahen dem Treiben an der gegenüberliegenden Mühle zu und unterhielten uns mit dem Elektriker, der nach seiner Arbeit, der Elektrifizierung der Hütte, auf seinen Chef wartete. Da der endgültige Stromanschluss noch etwa 10 Meter entfernt war, beglückte uns der Barbesitzer mit der krächzenden Musik eines batteriebetriebenen Kassettenrekorders, der leider seinen Geist nicht aufgab. Interessant war in jedem Fall die ausführliche Schilderung des Elektrikers bzgl. der Erdung. Dort wo bei uns meterlange Eisenbleche in das Fundament gegossen werden, genügen hier ein paar Holzkohlen, etwas Salz und das Gemenge wird mit dem blanken Erdungsdraht in ein kleines Loch im Boden vergraben.

Lustig war auch das Spiel mit den neugierigen Kindern, die immer, wenn man etwas Interessantes fotografieren wollte, scharenweis das Motiv umstellten und in die Kamera grinsten. Da aber jeder von uns eine Kamera hatte, teilten wir uns auf und einer fokussierte auf eine uninteressante Stelle, an der sich dann die Kinder tummelten und der andere konnte sich währenddessen auf das eigentliche Motiv konzentrieren.

Irgendwann am Abend haben wir uns dann wieder auf den Weg gemacht und sind, nach einem kurzen Abstecher im ehemaligen botanischen Garten an der Straße entlang nach Macuti gelaufen. Dort haben wir uns ganz erschöpft in eine chapa gesetzt und sind nach Hause gefahren. Wir warteten eine Weile, bis Medardus zum Abendessen kam. Den ersten Teil der Nacht haben wir dann damit verbracht, mit dem neuen Kreuzschlitzschraubenzieher die Videokamera von Medardus zu zerlegen, um den defekten Autofokus zu reparieren und wir waren - wie nicht anders zu erwarten war - erfolgreich.

Freitag, 09. Februar 2001

Am nächsten Morgen probierten wir natürlich direkt die Videokamera aus und stellten fest, dass der Autofokus hervorragend funktionierte. Leider ließ sich die Blende nicht mehr öffnen und schließen und so konnten wir nur noch in dunklen Innenräumen filmen. Den Vormittag haben wir dann bei den Schiffswracks an der Praia Nova verbracht, wo wir das Hämmern der Werftarbeiter, die den Rost abschlugen, aufgenommen haben. An einem großen Wrack haben wir auch einige Fotos von den riesigen Spinnen gemacht. Nachdem wir mit der chapa wieder zurückgefahren sind, waren wir kurz vor dem Essen noch eine Runde im Meer schwimmen. Nach dem Mittagessen haben wir in einer Schnellaktion die Videokamera wieder geöffnet und die Blende gängig gemacht. Nach dem verdienten Mittagsschlaf sind wir in die Stadt gefahren, um für die geplante Wochenendtour nach Savane einzukaufen. Nach einem Besuch im Shoprite und bei Nelinho sind wir zum Bahnhof gefahren und haben uns nach dem Fahrplan der Züge erkundigt. Dienstag und Donnerstag morgens um 7:30 Uhr jeweils einmal Nhamatanda und zurück. Außerdem haben wir das Bahnhofshochhaus besichtigt und die Aussicht aus dem obersten Stockwerk genossen. Zum Schluss waren wir zusammen am Kai der Praia Nova, wo wir die reparierte Videokamera testeten. Sie funktioniert wieder einwandfrei.

Samstag, 10. Februar 2001

Nachdem es bereits in der Nacht angefangen hatte kräftig zu regnen, entschieden wir, nicht nach Rio Savane zu fahren. Da Medardus noch eine Visite machen musste, begleiteten wir ihn ins Krankenhaus. Dort stellte er uns seinen Kollegen vor und zeigte uns die Räumlichkeiten, die in einem zum Teil unerträglich miserablem Zustand waren. Es war alles recht heruntergekommen, die Räume waren dunkel, nur von flimmernden Leuchtstoffröhren beleuchtet und vermittelten nicht den Eindruck, ein Ort der Genesung zu sein. In den Fluren und Gängen sahen wir jede Menge Kakerlaken, die, weil sie wohl gar nicht mehr gejagt werden, recht langsam über den Boden und die Wände hoch krabbelten. Nach dem Besuch im Krankenhaus gingen wir über die Straße zum Strand und setzten uns vor das gestrandete Wrack am 'E porchè naô'. Dort saßen wir eine Weile im Sand und beobachteten, wie das Wasser bei Ebbe den Sandstrand hinunter lief. Da die Sonne inzwischen die Wolken verdrängt hatte, wurde es recht warm und wir konnten uns nur im Schatten des gestrandeten Schiffes aufhalten. Gegen Mittag sind wir dann wieder zurück zum Haus, wo die Angestellten bereits im Garten den Tisch gedeckt hatten. Als das Essen schon angerichtet war, riss sich irgendwie der hauseigene Affe Charly von seinem Platz am großen Baum los und machte sich über das Essen her. Es dauerte eine ganze Medardus mit Charly Weile, bis er wieder an seiner Leine am Baum festgebunden war. Medardus hatte den kleinen wilden Velvet Monkey vor einigen Wochen in der Stadt einem alten Mann abgekauft und ihn seitdem an einer ca. 5 Meter langen Leine im Garten an einem Baum festgebunden. Nach langem Hin und Her und Befragung der Nichten und Neffen wurde der Affe auf den Namen 'Charly Nilsson' getauft. Witzigerweise wurde er nach und nach immer zahmer. Inzwischen ließ er sich auch von uns streicheln, angelockt mit einer süßen Banane oder fruchtigen Mangos. Nur die Angestellten wurden von dem Affen wild angefahren, wodurch sie einen gehörigen Respekt vor den aggressiven Sprüngen von Charly bekamen.

Nach dem Essen sind wir dann alle Mann zum Strand von Salinas gefahren. Dort verbrachten wir bei schönem Wetter den ganzen Nachmittag, um gegen Abend wieder nach Hause zu fahren. Nach dem Abendessen sind wir dann direkt ins Bett, um schon mal für den nächtlichen Discobesuch vorzuschlafen. Gegen Mitternacht haben wir uns wecken lassen und sind über die Baixa, wo wir noch die Schwester von Neusa abgeholt haben, zur Discotheca Complexo Oceana gefahren. Dort sind wir auch bis gegen vier Uhr morgens geblieben.

Sonntag, 11. Februar 2001

Am Morgen haben wir uns das Auto von Medardus ausgeliehen, um damit in die Stadt zur Kathedrale zu fahren und um 9:00 Uhr die Sonntagsmesse zu besuchen. Es wurde die Ordination einer Schwester gefeiert und obwohl die Kirche bis auf den letzten Platz besetzt war, ergatterten wir dennoch einen Platz recht weit vorn. Die Feierlichkeiten der Profissão perpétua Irma Laurinha Ginga Taúl waren faszinierend. Nach dem Einzug von tanzenden Frauen, die bei rhythmischer Musik ihre Opfergaben und Geschenke an den Altar brachten, wurden die jeweiligen folgenden Zeremonien und Riten angesagt. Der Chor sang bis zu 20 Minuten lange Lieder, die von einer Hammond Orgel, einer Bassgitarre, mehreren Trommeln und Rasseln begleitet wurden. Bei der recht lange dauernden Predigt verließen die Vor der Kathedrale Trommler nacheinander mit ihren Instrumenten die Kirche, wohl um draußen ein kurzweiliges Schwätzchen zu halten. Kurz vor Ende der Predigt waren sie aber wieder alle in ihren Bänken, um das nächste Lied mit anzustimmen. Nach 4 ½ Stunden war die Messe dann zuende und wir kletterten auf den Glockenturm. Über dem Glockenstuhl kletterten wir noch auf die kleine Turmterrasse und hatten von dort eine schöne Aussicht auf die Stadt. Als wir wieder zu Hause waren, haben wir dann recht spät zu Mittag gegessen und wollten nach einem kurzen Mittagsschlaf nach Rio Maria fahren. Wir kamen jedoch nur bis zum Leuchtturm, wo wir kurz entschlossen ausstiegen und eine ganzes Stück am Strand spazieren gegangen sind. Zurück am Leuchtturm, ließ Medardus noch eine Weile seinen Drachen fliegen, während wir die hohen Wellen fotografierten, die gegen das stark verrostete Wrack der vor dem Leuchtturm gestrandeten Macuti schlugen. Als die Sonne unterging, wären wir noch gerne auf den Leuchtturm gestiegen, aber dafür war es leider bereits zu spät. Kurz bevor das Licht eingeschaltet wird, darf man den Leuchtturm nicht mehr besuchen. Also fuhren wir zum Clube Nautico, wo wir Juliao, den Souvenirverkäufer, trafen. Während Christoph sich einige afrikanische Figuren kaufte, war ich kurz am Strand, um den farbenprächtigen Himmel der untergehenden Sonne zu bewundern. Zuhause angekommen machten wir uns kurz frisch, um nach einer kurzen Stadtrundfahrt im Restaurant Palmeiras zu Abend zu essen. Es gab für jeden zwei große Fleischstücke, die man sich auf einem heißen Stein am Tisch selbst garte, um die frisch gebratenen Stücke dann mit den dazugehörenden Soßen zu verspeisen.

Montag, 12. Februar 2001

Nach dem Frühstück fuhren mit einer chapa zum T'Shugamoio und sind dort über den Markt geschlendert. Christoph wollte sich die Haare schneiden lassen und suchte sich den modernsten Stand, die Barbeira Eletrica No 2 aus. Natürlich war das die Attraktion. Immer mehr kamen um zu schauen, wie sich Christoph die Haare schneiden ließ. Der Friseur benutzte zum Haare schneiden immer nur elektrische Langhaarschneider, deren Aufsätze er mit wichtiger Mine mehrfach wechselte. Der Strom für die Schneidegeräte kam aus einer Batterie, an die ein gefährlich aussehender Spannungswandler angeschlossen war. Danach kauften wir noch einige Schulhefte und gingen zu Mercato Machinino, um dort Reissäcke zu kaufen. Mit den Reissäcken wollte ich den Sandelholzstuhl, den Medardus über Juliao herstellen ließ, für die Reise einpacken. Nach einigem Hin und Her kaufte ich zwei Säcke für 5.000 Meticais. Danach gingen wir wieder zurück zum T'Shugamoio, wo wir auf eine chapa warten mussten. In dem vollbepackten Bus trafen wir einen Mosambikaner, der hervorragend Deutsch sprach und der mir seine Visitenkarte überreichte. Als wir zu Hause ankamen, bin ich kurz vor dem Essen noch mal schnell ins warme Meer gesprungen. Nach dem Mittagsschlaf Pause während des Hebammenunterichts haben wir Medardus zum Hebammenunterricht begleitet und ihm ein wenig beim Unterricht zugehört. In der ersten Pause stellten sich dann alle für ein Gruppenfoto auf und wir sind los, um mit einer chapa zum Leuchtturm zu fahren. Als wir dort ankamen, erklärte man uns, dass es bereits zu spät für eine Besichtigung des Leuchtturms sei und so warteten wir dort, bis Medardus seinen Unterricht beendet hatte und zum Leuchtturm kam. Auch Medardus fragte noch einmal nach und da auch er nichts ausrichten konnte, fuhren wir zu dem luftigen Glockenturm und bewunderten von dort oben den Sonnenuntergang. Als es dunkel wurde, besuchten wir Marcel, und er zeigte uns seine Videokamera und Ausschnitte aus seinem Dokumentarfilm über den Transport von Hilfsgütern durch das Landesinnere. Besonders interessant war der Versuch, bei leichtem Hochwasser einen Fluss zu überqueren - ein mehrtägiges Unterfangen.

Dienstag, 13. Februar 2001

Heute stand ein besonderes Abenteuer auf dem Programm: Eine Zugreise in das ca. 80 km entfernte Nhamatanda. Medardus hatte sich bereits im voraus über die Abfahrtzeiten erkundigt und um viertel nach sieben, also eine viertel Stunde bis zur Abfahrt, waren wir am Bahnhof. An einem der beiden besetzten Schalter wollten wir eine Fahrkarte für zwei Personen nach Nhamatanda und zurück haben. Damit lösten wir hinter dem Schalter schiere Verzweiflung aus, weil die Beamten nicht wussten, wie man eine Hin- und Rückfahrkarte ausfüllen musste. Während am anderen Schalter eine Fahrkarte nach der anderen in Windeseile gelöst wurden, beriet man sich mehrfach über unser Anliegen. Nach einiger Zeit stellte man dann einen Zettel aus, der mit mehreren Stempeln versehen, den Hin- und Rückfahrschein darstellte. Allerdings haben sich die Beamten sicherlich gefragt wofür man, wenn man am gleichen Tag wieder zurück fährt, denn überhaupt hinfährt. Nachdem wir nach der ersten Fahrkartenkontrolle den Bahnsteig betreten durften, verabschiedeten wir uns von Medardus und setzten uns im letzten Wagen des Zuges auf eine Holzbank, jeder an seinem eigenen, nicht mehr schließbaren, offenen Fenster. Die Fahrt ging dann sehr gemütlich los und der Zug ratterte im Schritttempo über die Gleise. An den vielen Haltestellen unterwegs war immer eine Menge los. Säcke, Waren, Kinder und alles mögliche wurden durch die Fenster hereingereicht und der Zug wurde nach und nach immer voller. Beim Anfahren machte die lärmende Diesellok mächtige Rußwolken, die ich natürlich unbedingt fotografieren wollte. Also lehnte ich mich aus dem Fenster und machte genau im richtigen Moment ein - wie sich im nachhinein herausstelle, total verwackeltes - Foto. Wenige Minuten später stand ein Mann in Uniform vor mir und wollte meine Licencia sehen. Ich zeigte ihm meine Fahrkarte und er gab mir zu verstehen, dass das Fotografieren im Zug nur mit einer speziellen Licencia erlaubt sei und man bei Nichtbeachtung ins Gefängnis muss. Die Mitreisenden zeigten für die Gebärden des Bahnpolizisten wenig Verständnis und so verzog dieser sich nach einer Weile. Wenig später kam jedoch ein zweiter Polizist und forderte mich auf, ihm zu folgen. Schnell gab ich Christoph Bescheid, doch mitzukommen und so folgten wir beide dem Polizisten Hahn im Zug durch den vollbesetzten Zug. Er drängelte sich an allen einfach vorbei und musste am Ende des Waggons immer auf uns, die wir uns langsam eine Bahn durch die Menge machten, warten. In einem der ersten Waggons, immerhin ein Wagen mit einzelnen Abteilen, führte er uns in sein Dienstabteil, wo auch schon der erste Polizist auf der dunklen Holzbank saß. Vom Gepäcknetz baumelte ein Schlagstock und wir sollten uns hinsetzen. Das Verhör begann mit der üblichen freundlichen Frage nach dem allgemeinen Befinden, und als es dann zur Sache, dem unerlaubten Fotografieren ging, erzählte ich ihm ein wenig von unserer Reise durch Mosambik, von der Tatsache, dass es bei uns in Deutschland sehr kalt ist, dort keine Palmen wachsen und zur Zeit noch nicht einmal Blätter an den Bäumen hängen. Ich wollte doch nur die farbenprächtige Pflanzenwelt fotografieren. Nachdem er wieder von der Licencia anfing, wollte ich von ihm eine Erlaubnis zum Fotografieren kaufen. Diese kann man sich aber nur im Bahnhof von Beira ausstellen lassen und so diskutierten wir noch ein wenig. Zum Schluss einigten wir uns darauf, dass es verboten ist, Züge zu fotografieren, wir aber aus dem Fenster ruhig Fotos machen dürfen. Nachdem wir beteuerten, dass es im Zug ohne Blitz sowieso viel zu dunkel zum Fotografieren sei, packte der Polizist ein Brötchen aus seiner Tasche, teilte es unter uns auf und meinte, jetzt würden wir ersteinmal was essen. Nach einer Weile erklärte er uns, wir könnten uns im Zug ruhig frei bewegen und wir verabschiedeten uns von ihm. Nachdem wir uns wieder durch den ganzen Zug bis zum letzten Waggon durchgeschlagen hatten, waren unser Plätze natürlich längst belegt und so verbrachten wir den Rest der Reise an der offenen Tür. Die Fahrt war herrlich. Blauer Himmel, grüne Landschaft, Dörfer, Palmen, Brücken und jede Menge frische Luft. Kurz vor Nhamatanda leerte sich der Zug auch so langsam und wir setzten uns wieder an einen Fensterplatz. Natürlich kam auch der Polizist immer wieder vorbei und begrüßte uns überschwänglich, wie alte Freunde und plauderte ein Weilchen mit uns. Nachdem wir bereits mehrere Stunden im Zug verbracht hatten, freuten wir uns auf die Ankunft um 12:30 Uhr in Nhamatanda, wo wir schnell aussteigen und uns vor der Rückfahrt etwas zu essen und zu trinken kaufen wollten. Beim Einlaufen des Zuges in den Bahnhof stellten wir aber mit Entsetzen fest, dass die Menge der dort wartenden Menschen unmöglich in den Zug passen würde, ein Trugschluss, wie sich kurze Zeit später herausstellte. Jedenfalls verzichteten wir auf die Mittagspause in der Stadt und sicherten unsere Plätze. Es war unglaublich, was alles in den Zug einstieg und an Waren dort Platz fand. Bereits wenige Minuten nach dem Anhalten war der ganze Waggon voll mit Menschen. Federvieh, an den Füßen zusammengebunden, wurde neben dem Sack Mais unter die Sitzbank geschoben. Um 13.00 Uhr startete der Zug dann wieder mit der Rückreise und auch diese Fahrt war sehr Fischtransport mit der Eisenbahn erlebnisreich. An jeder Haltestelle boten Kinder und Frauen ihre Waren zum Verkauf an und im Zug war ein reges Durcheinander. Am ersten Halt hinter dem Rio Pungue wurden auch massenweise Fische durch die Fenster eingekauft, die dann entweder in einer Plastiktüte in der Hitze im Wageninnern vor sich hin schmorten oder einfach aus dem Fenster gehängt wurden. Gegen 19:00 Uhr kamen wir mit einer Stunde Verspätung in Beira an. Kurz vorher erschien noch einmal der Polizist und meinte erleichtert, dass ja nun bald unser Arbeitstag beendet sei. Am Bahnhof holte uns Medardus mit seinem Auto ab und wir fuhren nach Hause, um uns für die Einladung bei Neusa's Mutter zurechtzumachen. Gegen 21:00 Uhr kamen wir dann auch dort an und bekamen ein landestypisches Essen. Mit am Tisch saß auch ein Onkel von Neusa, der seinen Lebensunterhalt als Gazellen -Jäger verdient, und erzählte von seinen spannenden Abenteuern.

Mittwoch 14. Februar 2001

Direkt nach dem Frühstück sind wir mit einer chapa in die Stadt gefahren. Kurzentschlossen besuchten wir den Mercado Central und ließen uns von den Souvenirverkäufern ihre Angebote präsentieren. Nach einigem Hin und Her versorgten Kind mit Puppe im Grand Hotel wir uns mit einigen Sachen und fuhren vollbepackt mit der nächsten chapa wieder zurück zum Haus. Dort legten wir unsere Mitbringsel ab und gingen zum Strand, um im Schatten des Wracks zu sitzen. Bei der Beobachtung des Wassers fiel uns die starke Strömung am Ufer auf und so gingen wir ein wenig stadteinwärts, um uns von dort aus mit der Strömung wieder zum Wrack treiben zu lassen.. Nach dem Mittagessen und einem kurzen Mittagsschlaf sind wir alle zu einer Möbelfabrik nach Manga, einem Vorort von Beira, gefahren, wo sich Medardus Möbel für seine neue Wohnung ausgesucht und bestellt hat. Dabei konnten wir auch die Manufaktur besichtigen. Danach sind wir zum Grand Hotel gefahren und dort einfach hineingegangen. Die riesiege dunkle Eingangshalle und die dunklen Gänge waren ganz schön eindrucksvoll. Von den vorhandenen Treppenhäusern waren einige vollkommen mit Müll zugeschüttet, andere wiederum verhältnismäßig sauber. Wir sind auf die Dachterasse gegangen und haben von dort den schönen Sonnenuntergang beobachtet.

Am Abend sind wir zu Marcel gefahren und haben uns dort sein Tonstudio zeigen lassen. Recht zügig hat er aus einigen von Medardus eingespielten Takten ein fetziges Musikstück arrangiert. Den Abend haben wir bei Claudia und Fritz im Accampamento verbracht, wo wir im Wings essen waren. Als wir nach Hause fuhren, fiel der Strom aus und wir ließen es uns nicht nehmen, noch ein wenig durch die dunkle, gespenstisch wirkende Stadt zu fahren. Nur bei einigen Selbstversorgern, wie z.B. dem Oceana, brannte noch Licht.

Donnerstag 15. Februar 2001

Heute morgen hatte Medardus Dienst und wir haben nach dem Frühstück eine Weile an dem Brustgeschirr für den Affen herumprobiert. Immer wieder sind wir hinunter, um Maß zu nehmen. Als wir das Geschirr entsprechend gekürzt hatten, sind wir mit der chapa in die Stadt gefahren, um direkt gegenüber vom Schuputzer Gefängnis das Brustgeschirr nähen zu lassen. In der Zwischenzeit sahen wir den Schuhputzern zu, die, wenn keine Kundschaft da war, ihre Second-Hand Kollektion in der durch die starken Regenfälle entstandenen Pfütze wieder auf Vordermann brachten, beobachteten die Gefangenen und knabberten frisch geröstete Cashew-Kerne. Als das Brustgeschirr fertig war, zahlten wir 5.000 Meticais und gingen noch einmal zum Mercado Central, um noch ein paar Armreifen zu kaufen. Für das Brustgeschirr wollten wir dann auch noch ein neues Seil, einen Karabiner-Haken und einen Wirbel besorgen, also suchten wir ersteinmal auf der Praia Nova und schauten uns eine Weile um. Nachdem wir dort ein Seil gekauft hatten, suchten wir in der Stadt alle möglichen Geschäfte nach Eisenwaren ab und landeten zum Schluss am T'Shugamoio, wo uns auch keiner helfen konnte. Jedoch waren alle sehr bemüht, uns weiterzuhelfen und so wurden uns ein Zündverteiler, ein gewichtiger Haken, ein Moskitonetz und ein Stromkabel angeboten. Nach dem Mittagessen habe wir dann den Affen in sein Brustgeschirr gesteckt und mit der neuen Leine angebunden. Sehr begeistert war der Affe zwar nicht, jedoch nutze er bald seinen durch die längere Schnur neugewonnenen Freiraum. Danach sind wir zum 'E porchè naô' und haben bei einem Bier und einer Sprite noch einige Fotos vom Strand und dem Wrack gemacht. Am späten Nachmittag sind wir mit dem Auto in die Stadt gefahren. Bei Palmeiras standen Fischer am Straßenrand und boten riesige Fische an. Wir konnten nicht widerstehen und kauften einen riesigen Fisch und zwei kleine Fische. Die brachten wir dann schnell nach Hause, um sie den Angestellten zum Säubern und Grillen zu geben. Dann fuhren wir in die Stadt und kauften noch weitere Dinge zum Abendessen ein. Spät am Abend kam auch Medardus von seinem Dienst zurück und wir aßen zusammen den leckeren Fisch.

Freitag, 16. Februar 2001

Heute morgen musste Medardus ganz früh wieder zu einer Operation ins Krankenhaus und wir gingen nach dem Frühstück am Markt vorbei in das Viertel, in dem sich Medardus seine neue Wohnung kaufen will. Dahinter beginnt ein Destille mit Reisfeldern durchzogenes Wohngebiet mit kleinen, einfachen Hütten, wo sehr viel los war. Unter anderem fanden wir eine kleine Schreinerwerkstatt, in der die Bretter mit der Hand aus einem Stamm gesägt werden und eine kleine Schnapsbrennerei, die aus zwei Blechtonnen bestand. Die erste Blechtonne enthielt die Maische und wurde mit brennenden Kunststoff-Flaschen beheizt. Die zweite Tonne enthielt kühles Wasser, durch das die Dampfleitung gelegt wurde und am Ende des Rohres stand die Flasche. Bei unseren Runden durch die Siedlung fanden wir auch mehrere schöne Baobab-Bäume. Vor einer kleinen Hütte stand ein alter Mann, der uns sehr aufgeregt begrüßte und uns bat, zu warten. Er verschwand er im Haus, um eine Nähmaschine zu holen, die er vor seiner Hütte aufstellte. Dann eilte er ins Haus zurück und kam mit einem Stuhl heraus, um daraufhin wieder in der Hütte zu verschwinden. Nach einiger Zeit kam er, mit frischen Kleidern angezogen aus seiner Hütte heraus, legte sich demonstrativ ein Maßband um den Hals, spannte ein rotes Kleid auf die Nähmaschine, setzte sich und starrte uns an, in der Erwartung, dass wir ihn fotografierten, was wir natürlich auch taten. Kaum war das Foto fertig, verabschiedete er sich und räumte alles wieder zusammen.

Zuhause packten wir unsere Taschen und warteten noch einige Zeit auf Medardus, der wegen einer Operation erst später nach Hause kam. Gegen 14:00 Uhr Fahrt durch das Hochwasser fuhren wir dann von Beira los und erfuhren an einer Tankstelle, dass durch die anhaltenden Regenfälle der letzten Tage der Pungue Fluss bereits die Straße überschwemmt hat. Wir fuhren weiter bis wir an eine Stelle kamen, an der sich die Fahrzeuge stauten. Kilometerweit war nur Wasser zu sehen und die Straße tatsächlich überschwemmt. Sofort kam eine ganze Horde junger Männer auf uns zu und versuchte uns davon zu überzeugen, dass wir nur mit ihrer Hilfe weiter kämen und sie genau wüssten, wie man mit dem Auto durch das meterhohe Wasser käme. Als sich dann ein Lastwagen auf den Weg machte, die Straße entlang zu fahren, stiegen wir ein und fuhren hinterher. Es war eine sehr aufregende Fahrt. Ich setzte mich auf das geöffnete Fenster und versuchte, den Mittelstreifen der Fahrbahn durch das trübe Wasser zu erkennen, um Medardus in der Spur halten zu können. Außerdem konnte ich genau erkennen, wie hoch der Wasserspiegel war und wie sich, abhängig von der Geschwindigkeit, die Bugwelle auftürmte. Wir fuhren mehrere Kilometer durch das Wasser, als der Fahrbahndamm wieder höher wurde und zur eigentlichen Brücke führte, die noch etliche Meter über dem Wasserspiegel lag. Die umliegenden Hütten jedoch waren zum größten Teil bereits überschwemmt. Der Rattenfänger von Beira Nach der Brücke kam wieder ein einige Kilometer langes überschwemmtes Straßenstück. Unterwegs trafen wir immer wieder Leute, die mehrere Ratten und Mäuse totgeschlagen hatten und an den Schwänzen nach Hause trugen. Die noch aus dem Wasser ragenden Büsche und Sträucher waren voll mit Ratten, Mäusen und Schlangen, die sich ängstlich an den wenigen noch trockenen Plätzen festklammerten. Zum Jagen brauchte man nur noch einfach zuzuschlagen.

Nachdem wir auch dieses überschwemmte Teilstück passiert hatten, konnten wir beruhigt weiter bis nach Chimoio fahren, wo wir Gabriele und Gerd besuchten. Dort saßen wir eine Weile auf der Terrasse und erzählten von unseren Abenteuern. Zum Schluss sind wir in die Stadt ins Kulturzentrum gefahren, wo wir bei Live-Musik Pizza gegessen haben.

Samstag, 17. Februar 2001

Früh am Morgen haben wir uns von Gabriele und Gerd verabschiedet und sind an die Grenze in Machipanda gefahren. Nach einigen Zollformalitäten - auch dieses Jahr musste Medardus sein Auto wieder aus Mosambik exportieren und in Zimbabwe importieren - sind wir dann nach Mutare gefahren, um dort bei schönstem Wetter einkaufen zu gehen. Wir haben für Medardus Wandfarbe und Polsterstoffe gekauft und ich habe mir ein paar Schuhe besorgt. Zu guter Letzt haben wir auch in Mutare noch einige Souvenirs eingekauft. Unterwegs haben wir an einem winzigen Ort eine kurze Pause gemacht, um dort ein frisch gebrautes Maisbier zu probieren. Nach einer weiteren Rast am Halfway House hielten wir noch einmal ca. 80 km vor Harare in Marondera, um dort fürstlich zu speisen. Beim Einchecken am Flughafen wurden wir vom Flughafen -Sicherheitsdienst gebeten, eine unserer Taschen durchsuchen zu lassen und Christoph packte also in einer abgelegenen Ecke seine Tasche aus. Der Beamte durchsuchte mit weißen Handschuhen den Inhalt, kramte Souvenirs, Filme und Objektive hervor, bis er auf eine wild verstreute Anzahl von Bohnen traf. Christoph hatte seinen mit Bohnen gefüllten Stativsack geleert und die Bohnen einfach in die Tasche gekippt. Jedenfalls hatte der freundliche Beamte das Interesse am restlichen Inhalt der Tasche verloren und alle Sachen wieder eingepackt. Ein letztes Bier mit Medardus auf der Terrasse beendeten diese wunderbare Reise nach Afrika. Und auch dieses Mal steht der Entschluss fest: Ich komme wieder!

Epilog

Der Rückflug in einem vollbesetzten Flugzeug war pünktlich um 6:00 Uhr in London. Nach einigem Warten ging es dann um 9:45 Uhr weiter und um 11:15 Uhr (Ortszeit) landeten wir in Hamburg. Medardus hat am Halfway House im Auto übernachtet, am nächsten Tag noch kurz bei Gabriele und Gerd in Chimoio vorbeigeschaut und musste sehr lange warten, um mit dem Auto auf einen Zug verladen zu werden. Durch das Hochwasser war es nur möglich, mit der Bahn über den Fluss zu kommen. Das Wasser war um einen Meter gestiegen.