Markus Hahn
Freizeit / Reiseberichte


Moçambique 2000

Reise vom 25.02.2000 bis 12.03.2000

Seit dem 1. Juli 1999 wohnt und arbeitet mein Bruder Medardus in Beira, Moçambique, Afrika und von Anfang an war klar, dass wir ihn besuchen, um zu sehen, wie er dort lebt. Bei der Planung mussten natürlich einige Dinge berücksichtigt werden. Wenn die ganze Familie verreisen soll, dann können wir nur in der Zeit der Schulferien verreisen. In dieser Zeit sind allerdings die Flugpreise so hoch, dass sie multipliziert mit der Anzahl der Familienmitglieder ein beträchtliches Vermögen verschlingen. Da die tropische Hitze von einem Teil der Familie als belastend empfunden wird, ist es folglich nur konsequent, einfach alleine zu verreisen. Am Besten ist es natürlich, dann zu verreisen, wenn das Wetter zu Hause nur dadurch zu unterscheiden ist, in welchem Winkel der Niederschlag auf die Erde prasselt. Die Wahl fiel schnell auf die Monate Februar und März, und weil diese Zeit auch noch die absolute Nebensaison ist, reduziert dies zusätzlich den Flugpreis. Damit mein Vater auch mal nach Afrika kommt und nicht ganz alleine fahren muss, entschieden wir uns, zusammen zu fliegen. Ich buchte für meinen Vater einen Flug vom 25. Februar bis 26. März und für mich einen Flug vom 25. Februar bis 12. März, also zwei Wochen kürzer. Der Flug sollte von Hamburg über London nach Harare, Zimbabwe gehen, wo uns Medardus dann abholen wollte.

Freitag, 25.02.2000

Endlich ist es soweit, Uli bringt uns am Nachmittag zum Hamburger Flughafen Fuhlsbüttel. Nachdem wir uns von ihr verabschiedet haben, schnappte ich mir das Gepäck von Papa und wir sind erst einmal zum Terminal 1 gewackelt. Dort erfuhren wir dann, dass internationale Flüge von Terminal 4 abfliegen und konnten so noch 700 m durch das extrem langweilige Flughafengebäude wandern. Das Einchecken in Terminal 4 lief problemlos und wir bekamen für beide Flüge jeweils Fensterplätze. Da wir noch Zeit hatten, sind wir in das Flughafenrestaurant gegangen, von wo man auch auf die Aussichtsterrasse gehen kann. Dort haben wir einige Flieger beim Landen und Starten beobachtet und bei eisigem Wind ganz schön gefroren.
Der Flieger von Hamburg startete um Punkt 18:00 Uhr, und nach einem kurzen Imbiss und Glas Rotwein sind wir dann um 19:20 Uhr in London gelandet. Von dort sollte das Flugzeug nach Harare um 21:15 Uhr starten. Da wir allerdings erst einmal die Uhren eine Stunde zurückdrehen mussten, hatten wir drei Stunden Zeit. Wir schauten uns das Flughafengebäude, die vielen Geschäfte und das emsige Treiben an und gingen dann langsam zum Gate 52 wo immer mehr Leute sich um den Ausgang scharrten. Pünktlich um 21:05 stiegen wir in das Flugzeug und bekamen zwar Fensterplätze, aber die engsten, die es in einem Flieger geben kann. Die eigenen Rückenlehnen stehen direkt an der Toilettenwand und wenn die Passagiere in der Vorderreihe sich nach hinten lehnten, hatte man die Lehne des Vordermanns fast am Kinn (Übertreibung macht anschaulich). Als der Flieger dann losfliegen sollte, meldete der Kapitän, dass die Ingenieure einen Fehler festgestellt hatten, der erst repariert werden musste. Dies dauerte zwei Stunden.

Samstag, 26.02.2000

Der Flug selbst war, vor allem wegen der Enge, nicht besonders schön. Wie es halt so ist, wenn man in einem klimatisierten Fahrzeug sitzt und bei jeder Bewegung irgendwo anrempelt. Zu sehen war nicht sehr viel und auch bei der Landung in Harare, Zimbabwe regnete es. Das Flugzeug hielt auf dem Rollfeld und da es regnete, stiegen wir alle in einen langen Bus, der sich erst nach langer Zeit in Bewegung setzte, um uns dann 75 m weiter am Flughafengebäude abzusetzen. Die Einreiseformalitäten gingen, nach Zahlung von 45 USD pro Person, recht zügig und wir kamen auch gut an unser Gepäck und damit durch den Zoll, wo wir dann Medardus trafen, der bereits über zwei Stunden auf uns wartete. Es war zwar nicht kalt, aber so richtig warm war es auch nicht. Medardus klärte uns darüber auf, dass Harare auf etwa 1500 m liegt. Da es bereits mehrere Tage regnete, war es offensichtlich auch abgekühlt; so fuhren wir von Harare nach Mutare. Die Fahrt durch die Eastern Highlands war nicht sonderlich spektakulär. Insbesondere auch deshalb, da es fast die ganze Zeit über regnete. Wir fuhren ca. 3 h bis nach Mutare. Da ich im Flugzeug nicht an meine Paludrine gekommen bin, habe ich vor der Autofahrt schnell noch zwei genommen, wodurch es mir während der Fahrt ganz schön übel wurde. Zweimal musste Medardus anhalten, weil es so schien als müsste ich mich übergeben. In Mutare allerdings war das Unwohlsein vorüber und wir informierten uns ersteinmal über die Abfahrtzeiten der Busse für meine Rückfahrt in zwei Wochen. Danach versuchten wir noch einmal an Diesel zu kommen, der aber im ganzen Land Zimbabwe nicht verfügbar war. Zum Schluss verließen wir den Ort in Richtung Bvumba-Mountains (Nebelberge) wo wir im Hotel Inn on the Bvumba unterkamen. Das Hotel liegt hoch in den Bergen, und bei einem Spaziergang wurden wir auch einmal ganz vom Nebel eingehüllt. Das Abendessen war ein erstklassiges fünf Gänge Menü. Für jeden Tisch stand ein extra Kellner zur Verfügung und der "I’am the Becher-Man" servierte den Wein und die Getränke.

Sonntag, 27.02.2000

Am Sonntagmorgen liefen kleine Affen durch den Garten und hüpften an den Fenstern vorbei. Leider war es recht neblig, aber trotzdem habe ich auch ein paar Fotos gemacht. Nach dem ausgiebigen Frühstück verzog sich der Nebel, das Wetter wurde immer besser. Wir fuhren also nach Mutare einkaufen, und kamen auch recht zügig ohne allzu viel Formalitäten nach Moçambique. Da auch die Sonne schien und wir nach und nach immer tiefer in die Ebene kamen, stiegen die Temperaturen vom warmen norddeutschen Sommer auf afrikanische Temperaturen: heiß und schwül. Plötzlich waren wir also im richtigen Afrika. Überall runde Lehmhütten, viele Leute rechts und links der Straße mit Gegenständen auf dem Kopf und Kinder auf dem Rücken. Ich nötigte Medardus mehrfach, damit er anhielt und ich ein paar Fotos machen konnte. Zwischendurch machten wir einen kleinen Abstecher zu prähistorischen Felszeichnungen. An der Straße stand noch ein großes Schild, doch der Weg wurde immer schlechter und endete dann neben einer Lehmhütte in einem Trampelpfad. Dort stiegen wir aus und ließen uns von drei Kindern den Berg hoch zu den Felszeichnungen führen. Papa blieb als Wächter am Auto. Es war Leuchtturm Macuti ein toller und auch anstrengender Weg, der sich auf jeden Fall gelohnt hat. Es waren tatsächlich hübsche Felszeichnungen auf dem Fels zu sehen und wir hatten eine tolle Aussicht auf das Land. Danach besuchten wir in Chimoio Gerd, einen Freund von Medardus, wo wir zum Tee blieben. Die Fahrt ging weiter und je tiefer wir schließlich kamen, desto wärmer wurde es, bis wir dann schließlich in der Ebene waren und bei Einbruch der Dunkelheit in Beira eintrafen. Dort besuchten wir zuerst den Leuchtturm von Macuti, wo ich schnell mit den Füßen das warme Meerwasser erleben konnte. Die Wohnung von Medardus ist toll. Er bewohnt alleine die erste Etage eines großen Hauses. Zwei Angestellte sorgen abwechselnd dafür, dass das Haus gereinigt und bewacht ist, und eine Köchin kommt täglich, um einzukaufen und das Mittagessen zuzubereiten. Nach dem Abendessen im Garten (wo man das Rauschen des Meeres hört) habe ich dann, in T-Shirt und kurzer Hose, bei 30° C kräftig schwitzend meine erste e-Mail nach Hause geschrieben und von unserer guten Reise berichtet.

Montag, 28.02.2000

Morgens konnten wir aus der Küche schon das Meer sehen. Nachdem Medardus ins Krankenhaus ist, bin ich mit Papa an den Strand, wo wir bis 12:00 Uhr mit den Füßen durch die Brandung gelaufen sind. Nur gut, dass die Sonne die meiste Zeit hinter den Wolken versteckt war, denn ich habe auch so schon, trotz Sonnenschutzfaktor 20, einen leichten Sonnenbrand im Nacken.
Einbaum Danach gab es Mittagessen (Pansen mit Bohnen, Reis, Tomatensalat und Zitronensaft) und danach ein Nickerchen. Während Papa sein Nickerchen noch ausdehnte, bin ich mit Medardus zum Leuchtturm gefahren, um dann ein wenig am Strand entlang zu laufen. Wir haben noch in den hohen Wellen gebadet und sind nach dem Duschen zusammen zum Krankenhaus gegangen, wo Medardus den werdenden Hebammen Unterricht erteilte. Ich bin zurück zu Papa in die Wohnung, um dann mit ihm am Strand ein Bier (Manica, Cervejas de Moçambique) zu trinken und den Sonnenuntergang, der durch die Wolken nicht zu sehen war, zu beobachten. Dort warteten wir bis Medardus von der Arbeit kam und sind dann zusammen nach Hause zum Abendessen.
In den Nachrichten wurde inzwischen (wie auch in den deutschen Nachrichten) sehr viel von der Hochwasserkatastrophe in Moçambique berichtet. Diese betraf jedoch überwiegend den Süden des Landes. Der Pungwe, der in Beira in die Bucht mündet, hat zwar auch viel Wasser, jedoch ist dies für die Jahreszeit normal. Spät abends zeigte sich die Regenzeit dann doch noch mit sintflutartige Regengüssen, die, da die Fenster verständlicherweise wegen der hohen Temperaturen offen standen, mein ganzes Zimmer unter Wasser setzten.

Dienstag, 29.02.2000

Nachdem Medardus nach dem Frühstück das Haus verlassen hat, bin ich mit Papa in Richtung Leuchtturm losmarschiert. Nach dem Regenguss vom Vorabend war das Wetter wunderbar. Unterwegs sind wir in einen kleinen Markt eingebogen, wo der Fisch in der glühenden Sonne schmorte (die einzigen Schattenspender waren die Fliegen, die auf dem Fisch saßen). Dann sind wir, Papa mit seinem Regenschirm immer brav hinterher, weiter zum Leuchtturm. Dort unterhielten wir uns mit dem Leuchtturmwärter, der mit mir die steile Treppe bis ganz nach oben hinaufging, von wo man eine schöne Aussicht auf die Stadt und den Strand hatte. Die Fischer ziehen ein Netz an Land Am Leuchtturm war Papa auch mal im Wasser und als er sich im Schatten des Turmes trocknen ließ (wir müssen tierisch aufpassen, damit wir uns in der glühenden Sonne nicht die Haut verbrennen), bin ich am Strand entlang gegangen. Wegen der Hochwasser und der Regengüsse ist das Meerwasser ganz süß geworden. So etwas habe ich noch nie erlebt. Am Strand herrscht ein reges Treiben, und die Fischer fahren mit schweren Einbäumen ca. 150 m bis 300 m vom Ufer weg, legen dort ein Netz aus, kommen zurück und ziehen dann zusammen mit vielen anderen das Netz an Land, in dem es auch von Fischen, Krabben und Fischchen wimmelt. Diese werden von den Frauen sortiert und untereinander verteilt. Dann geht die gleiche Prozedur wieder von vorne los und das Netz wird wieder an Land gezogen. Gegen Mittag sind wir mit einem Chapa (Sammeltaxi) zurückgefahren. Als Medardus dann kam, hat er vom Krankenhaus ein Chamäleon mitgebracht, das Chamäleon jetzt in seinem Garten wohnt und von einem Baum zum anderen wandert, um jeweils seine Farbe zu ändern. Nach dem Mittagessen sind wir in die Stadt, wo Medardus im 'Sindacato' für zwei Stunden arbeiten musste. Wir haben die Kathedrale besucht und ich bin mit einem Studenten und dem Küster zum Glockenturm heraufspaziert. Von den 12 Glocken (mit denen man angeblich mal das Ave Maria spielen konnte), waren nur noch vier in Betrieb. Bei den anderen fehlte halt der Klöppel bzw. das Tau, um sie zu schlagen. Wir sind dann noch eine schöne alte Allee entlanggelaufen, in der die schattenspendenden Bäume die Bürgersteige und angrenzenden Mauern ca. einen halben Meter nach oben oder unten gedrückt haben. Als Medardus mit seiner Arbeit fertig war, sind wir mit dem Auto durch die Stadt gefahren, haben die Autowerkstatt, die Satellitenfirma und einen Schiffsfriedhof, in dem zum Teil ein Markt war, besucht.
Medardus hat uns auch seinem Freund Nelinho vorgestellt, der hinter einem mit Geldbündel vollgepackten Schreibtisch ständig Telefongespräche führte. Danach waren wir im Oceana ein Bier trinken, sind noch ein wenig im Dunkeln durch die Stadt gefahren und haben hier im Garten zu Abend gegessen. Das Wetter heute war traumhaft. Nur am Horizont türmten sich die Wolkenberge.

Mittwoch, 01.03.2000

Heute morgen bin ich, nachdem ich Medardus nach dem Frühstück zum Krankenhaus begleitet und noch eine kleine Runde gedreht habe, mit Papa in einer Chapa (Sammeltaxi) für 2.000 Meticais (ca. 14 Pf) in die Stadt gefahren. Dort haben wir das Büro der LAM (Linhas Aereas de Moçambique) besucht und für Donnerstag, den 9. März einen Flug von Beira nach Harare reserviert. Dies jedoch nur aus Sicherheitsgründen: Sollte das Hochwasser, welches zur Zeit nur den südlichen Teil Moçambiques (bzw. Afrikas) bedroht, auch den Pungwe zum Anschwellen bringen und damit den Beira- Korridor nach Mutare unpassierbar machen, dann habe ich wenigstens einen Platz im Flugzeug. Ansonsten suchen wir noch andere Alternativen für meine Rückfahrt. Zum einen gibt es eventuell die Mitfahrmöglichkeit mit einem Bekannten von Medardus und zum anderen fahren (so steht's im Reiseführer) auch Busse und Züge. Letzteres wäre natürlich viel interessanter. Gefängnis von Beira Danach sind wir noch ein wenig durch die Stadt gelaufen. Interessant ist das burgartige Gefängnis aus den 20er Jahren mitten im Zentrum, aus dem die Gefangenen durch schwere Eisengitter das Straßenleben, und die Passanten das bedauernswerte Dasein der Einsitzenden beobachten können. Danach sind wir mit dem Taxi wieder zurück nach Macuti (der Ortsteil, in dem Medardus arbeitet und wohnt) und ich bin schnell noch mal die 100 m zum Strand gelaufen und ins warme Wasser gesprungen. Zum Essen gab es dann Kokosnussreis und Fleisch und Tomatensalat. Nach einem erholsamen Mittagsschlaf bin ich nur mit T-Shirt und Badehose bekleidet in Richtung Leuchtturm am Strand entlang gelaufen, dann an der letzten Palme vorbei und immer weiter, immer weiter bis zu einem prielartigen Auslauf aus einem Sumpfgebiet. Unterwegs waren viele Fischer damit beschäftigt, ihre Netze an Land zu ziehen. Einmal wurde ich auch gebeten, zu helfen, ein großes 12 m langes Fischerboot auf den Strand zu ziehen. Ungefähr 40 Personen ruckelten auf ein Kommando am Boot, so dass es sich Zentimeter um Zentimeter auf das Ufer zu bewegte. Auf dem Rückweg standen mehrere Angler am Ufer, die mit ihren langen Ruten zum Teil recht große Fische angelten. Das Meer ist ganz schön fischreich! Da ich so weit gelaufen bin, kam ich erst kurz nach Sonnenuntergang wieder zurück, habe schnell geduscht und das Essen vom Mittag warm gemacht. Da Medardus heute Dienst hatte, kam er erst gegen 20:00 Uhr kurz zum Abendessen nach Hause. Nach dem Essen habe ich ihn bei sternenklarem Himmel zu seinem Nachtdienst in die Klinik begleitet.

Donnerstag, 02.03.2000

In der Nacht kam Medardus zwar mal für kurze Zeit nach Hause, war aber heute früh schon wieder im Krankenhaus und so habe ich mit Papa alleine gefrühstückt. Da es heute morgen bewölkt war, wollte ich nach dem Frühstück mit ihm durch die Reisfelder laufen, die hinter dem Krankenhaus liegen. Nachdem wir hundert Meter gelaufen waren, kam ein freundliche Mann auf uns zu, der uns davon abriet weiterzulaufen, weil man sich dort sehr schnell verirrt und es zum Teil sehr matschig ist. Da Papa sehr stark schwitze und Sanddollar auch keine Lust mehr zum Laufen hatte, sind wir einfach zum Strand in das 'E porchè naô', haben uns da im Schatten an einen Tisch gesetzt, Wasser bzw. Cola getrunken, gelesen und sind zwischendurch immer wieder schwimmen gegangen. Der Himmel war inzwischen wolkenfrei, und am Meer spürt man die sengende Hitze nicht so stark. Aber das ist schon toll. In der Zeit, wo man sich in Deutschland nur mit dicken Kleidern behangen nach draußen wagen kann, braucht man hier einfach nur zu sitzen und zu schwitzen. Der Schweiß läuft nur so an einem runter. Schön warm ist es und am Strand kann man stundenlang in den Wellen baden, die einen schön durcheinanderwirbeln. Außerdem liegen hier sehr viele Muscheln herum und heute bei Ebbe habe ich auch Sanddollars gefunden. Sie sehen sehr schön aus, sind aber sehr zerbrechlich; zur Zeit, ich habe sie zum Trocknen in die Sonne gelegt, stinken sie wie die Pest. Das alte Grand Hotel Gegen Mittag war auch der Dienst von Medardus zu Ende und nach dem Essen haben wir ersteinmal einen Mittagsschlaf gemacht. Danach sind wir mit dem Auto in die Stadt und haben den Bahnhof besichtigt. Der Kopfbahnhof hat eine riesige beeindruckende Rundbogenhalle aus dem Jahr 1966, in der ein Fischteich angelegt ist. Innen ist photographieren verboten und es fährt immerhin 4 mal in der Woche ein Personenzug nach Nhamatanda, der für eine Strecke, die mit dem Auto in einer Stunde erreichbar ist, vier Stunden benötigt. Mal sehen, vielleicht mache ich mal einen Tagesausflug mit der Bahn (Abfahrt 6:30 Uhr, wahrscheinliche Rückkehr 16:30 Uhr). Danach waren wir in einem Supermarkt, auf dem T'Shungamoyo Markt, am verfallenen Grand Hotel und im Oceana ein Bier trinken. Das Abendessen haben wir, das Rauschen des Meeres im Hintergrund, im Garten gegessen.

Freitag, 03.03.2000

Heute morgen habe ich Medardus wieder zum Krankenhaus begleitet und bin danach, diesmal ohne Papa, hinter dem Krankenhaus an den Reisfeldern entlang gelaufen. Dabei bin ich in der glühenden Hitze durch einige kleine unter Palmen liegende Stadtteile gegangen, wo die Kinder, zum Teil verschreckt, vor mir davonliefen. Habe viele schöne Dinge gesehen und wurde auch von Frau mit Kind mehreren Leuten angesprochen bzw. zum zweiten Frühstück eingeladen, was ich freundlich - aber bestimmt - abgelehnt habe. Nachdem ich meine Runden so gelaufen habe, bin ich zum 'E porchè naô' am Strand gegangen, wo auch Papa schon saß. Dort haben wir bis Mittag gesessen und sind dann nach Hause, wo es Essen gab. Medardus hatte noch eine Operation und kam erst später gegen 14:00 Uhr aus dem Krankenhaus. Wir sind dann direkt ins Auto geklettert und zum Rio Maria, einer Flußmündung nördlich von Beira gefahren. War das eine Fahrt! Riesige Schlammlöcher und eine toller unasphaltierter, mit Schlaglöchern übersäter Weg durch Afrika. Da weiß man, wofür ein Geländewagen so gut ist. Am Rio Maria haben wir uns mit den Einheimischen ein wenig unterhalten und uns die Mangrove angeschaut. Dann sind wir noch etwas am Strand entlang gefahren und sind bei tollem Licht wieder zurück in die Stadt. Am Abend waren wir mit Ignacio, einem Bekannten von Medardus, in einem Restaurant essen. Nach dem Essen sind wir noch ein wenig durch die Stadt gefahren und wurden freundlicherweise von der Wache am Hafeneingang durchgelassen. Wir sind also durch die riesige Hafenanlage gefahren. Dort wurde bei dem Zyklon vor zwei Wochen ein Schiff ständig gegen eine Kaimauer Palmen am Rio Maria gerammt, so dass das Kai vollständig verwüstet wurde und das Schiff dabei gesunken ist. Nun liegt das Wrack in 30 m Tiefe und behindert den Schiffsverkehr. Als wir aus dem Hafen wieder herausfahren wollten, bedankten wir uns bei der Wache am Hafeneingang mit einer Schachtel Zigaretten, was die Wache am Hafenausgang bemerkte. Diese dachte, wir wollten am Hafeneingang herausfahren und klärte uns in einer angeregten Diskussion darüber auf, dass man am Hafeneingang nur hineinfahren und am Hafenausgang nur herausfahren dürfe. Ein kurzer Wortwechsel zwischen Ignacio und der Wache öffnete dann die Tore und wir fuhren nach Hause.

Samstag, 04.03.2000

Nachdem Medardus seinen 48 Stunden Wochenenddienst angetreten hat, bin ich mit Papa zum Rio Savane gefahren. Der Weg dorthin war sehr schön (wir haben viele Wasservögel, ein Chamäleon und einen Affen gesehen) und der Strand an Rio Savane war traumhaft. Der Fluss liegt ca. 40 km nördlich von Beira und Weg nach Savane muss mit einem kleinen Boot überquert werden, bevor man an den Strand von Rio Savane kommt. Dort haben wir dann den ganzen Tag, wenn wir nicht im Wasser waren, unter einem schilfbedeckten Sonnenschirm verbracht. Der Strand und das Wasser waren sauber und einfach herrlich. Mit der Flut wurden auch die Wellen immer höher und das Meer verändert sich stündlich. Auch die Fahrt mit dem Geländewagen (Nissan Terano II) ist total toll. Zum Rio Savane würde ich am liebsten jeden Tag fahren.
Wieder zuhause angekommen, haben wir nach dem Duschen ersteinmal mit Medardus, der zum Essen kurz aus dem Krankenhaus kam, gegessen. Danach bin ich mit ihm mal zum Krankenhaus gegangen. Das ist ein Hospital! Unvorstellbar, wie viele Leute bei grellem Neonlicht in überhitzten Räumen auf ihre medizinische Versorgung warten. Das dabei die Ausdünstungen der Menschenmassen das Klima unangenehm beeinflussen, versteht sich von selbst. Ich habe mich schnell zurückgezogen, im 'E porchè naô' unter klarem Sternenhimmel noch ein Bier getrunken und mich einfach wohl gefühlt.

Sonntag, 05.03.2000

Heute morgen hat uns Medardus vor seinem Dienst noch schnell mit dem Auto in die Stadt gefahren, wo wir zur Messe in der Kathedrale waren. Dort wurden vom Chor sehr schöne melodische Lieder gesungen, begleitet von zwei E-Gitarren, einem Harmonium und verschiedenen Rasseln und An der Praia Nova Rhythmus-Instrumenten. Danach bin ich mit Papa durch die Stadt gelaufen. Da er nur hinter mit her schlurfte, habe ich ihn auf dem Zentralplatz in eine Bar gesetzt, ihm einen Liter Wasser bestellt und bin zur Praia Nova, dem Markt am Schiffsfriedhof, gegangen, um mich dort noch ein wenig umzusehen. Am Strand, direkt bei einem riesigen Schiffswrack, kam eine Frau schreiend hinter einem Mann hergelaufen, der eine Kokosnuss in der Hand hatte. Er hatte die Nuss offensichtlich gestohlen und war auf der Flucht. Als die Frau immer näher an ihn herankam, flüchtete der Dieb einfach ins Wasser und harrte dort der Dinge die noch kamen. Die Frau stand am Ufer und schrie nach ihrer Kokosnuss, wogegen der Mann brüllte, dass sie endlich verschwinden sollte. Als das Ganze kein Ende nahm, warf er die Kokosnuss einfach hinter sich ins Wasser. Nun standen beide da und brüllten sich weiter gegenseitig an. Irgendwann zog der Mann im Wasser seine Hose aus und zeigte der Frau, die ständig wütend mit Sand nach ihm warf, seinen Hintern. Da allerdings der Grund des Ganzen, die geklaute Kokosnuss, nicht mehr vorhanden war, ging das Ganze aus wie das Hornberger Schießen.
Felizardo Danach sind wir mit einer Chapa wieder zurück nach Macuti gefahren und haben hier zusammen mit Medardus zu Mittag gegessen. Nach dem Mittagsschlaf, Medardus war schon wieder im Krankenhaus, bin ich zum Strand gegangen, wo die Hölle los war. Tausende von Leuten gingen am sonst fast menschenleeren Strand auf und ab und machten dort ihren Sonntagsausflug. Ich habe noch einige Fotos gemacht und bin dann zum 'E porchè naô', um dort bei einem Glas Bier den Sonnenuntergang zu genießen. Dort habe ich noch Konrad (den Kinderarzt) und eine Österreicherin, die als Entwicklungshelferin in Buzi arbeitet, getroffen und habe mich mit Beiden etwas unterhalten. Danach bin ich zum Abendessen im Garten nach Hause. Als Medardus noch einmal ins Krankenhaus musste, habe ich mit Papa im Garten noch ein Glas Wein getrunken und beobachtet, wie eine kleine Maus in das Zimmer des Angestellten Felizardo huschte. Das habe ich natürlich sofort dem diensthabenden Nachtwächter Fanzo mit Händen und Füßen erklärt, worauf er mit Felizardo in der Wohnung verschwand. Nach ca. 10 Minuten eifrigem Hin - und Herräumen kam dann Fanzo mit der Maus heraus, die er 'met ner gruße Spaat' im Garten vergrub.

Montag, 06.03.2000

Heute morgen war Medardus schon in der Klinik, als wir gegen sieben, halb acht aufgestanden sind. Nach dem Frühstück bin ich ohne Papa in die Stadt gefahren (in ein chapa, wo für 12 Leute Platz ist, passen auch locker 22 Leute hinein) und habe dort in einem Reisebüro versucht, das Ticket für Papa umzuändern, damit er zeitgleich mit mir mitfliegen kann. Ihm ist es hier zu heiß und er würde, wenn es möglich ist, viel lieber früher als geplant nach Hause fahren. Da das Reisebüro zwar über einen Computer verfügt, der jedoch nicht vernetzt ist, ging der Änderungswunsch ersteinmal telefonisch an ein Reisebüro nach Mutare, in Zimbabwe. Morgen im Laufe des Tages sollen wir Bescheid bekommen. Alter Kran am Hafen Nach dem Reisebüro bin ich zum Hafen gegangen und habe der Wache beim Einlass erzählt, ich wolle mir den Hafen anschauen. Dort war ich dann noch einmal an dem Kai, der vom Cyclon so stark zerstört wurde und habe mich dort noch ein wenig mit freundlichen Krabbenanglern unterhalten. Beim Ausgang aus der Hafenanlage habe ich dann die als Denkmal aufgestellte Dampflok mit dem Bahnhofsgebäude fotografiert, was sofort einen Polizisten aufmerksam machte, der mich zur Wache begleitete. Dort angekommen schilderte er mir und den anderen Wachleuten mein Vergehen: ich hätte von der Eisenbahn ein Foto gemacht. Sofort wurde ich in das Wachhäuschen gebeten, wo man den Film entfernen wollte (man wusste aber gar nicht, wie der Fotoapparat geöffnet wird). Nach einigem Lamentieren habe ich das Objektiv abgeschraubt, den Verschluss geöffnet, den Wächtern den Film gezeigt und damit das Foto unbrauchbar gemacht. Außerdem erzählte ich ein wenig von mir selbst, von meiner Reise nach Moçambique, von den netten Menschen in der Stadt und zeigte ihnen, obwohl sie es gar nicht wissen wollten, wie ein Polarisationsfilter funktioniert. All meine Schilderungen beeindruckten jedoch nicht sonderlich. Man war sich einig, dass ich bestraft werden müsse. Dampflok Jedoch wollte niemand den zu zahlenden Betrag nennen. Nach einigem Warten schrieb dann jemand die Zahl 50 auf seine Hand und wollte also 50.000 Meticais (ca. 7,00 DM) von mir. Bereitwillig zeigte ich mein Vermögen von 4.000 Meticais (ca. 0,56 DM) - gerade genug, um zweimal mit einer chapa zu fahren - woraufhin man beschloss, das Problem von einer höheren Instanz lösen zu lassen. Ich ging also mit einem der Polizisten, der sein Fahrrad neben sich herscho, einen halben Kilometer in der brütenden Hitze zur Guardia do Porto. Während des Spaziergangs erzählte ich munter weiter von meinem Urlaub, fragte immer wieder nach irgend welchen portugiesischen Vokabeln und deren Aussprache (Gleis = linha ferroviária) und versuchte zu ergründen, was man fotografieren darf und was nicht und vor allem warum nicht – aber mein Begleitschutz wusste eigentlich auch nichts. Dann erzählte ich von Deutschland, wo es so kalt ist und zeigte meinen Sonnenbrand (schöne kleine Hautfetzen am Unterarm, die sein ganzes Mitleid hervorriefen), aber er ging beharrlich und langsam neben mir her. Auch mein Vorschlag, dass er gerne mit dem Fahrrad fahren könne und ich nebenher laufe, damit wir endlich aus der Sonne herauskommen, verstand er nicht. Bei der Guardia do Porto wurde ich zuerst einmal in einen großen, dunklen Raum geführt, in dem hinter einem Schreibtisch ein Mann mit mehreren Streifen auf der Schulter saß. Freundlich wurde ich begrüßt und gebeten, auf der kurz vor dem Schreibtisch stehenden Bank Platz zu nehmen. Beim Hinsetzen stieß ich mir die Knie an der Schreibtischrückwand und konnte in einer seltsam schräg sitzenden Haltung meinem Gegenüber freundlich in die Augen schauen. Dieser lies sich Beira ersteinmal von seinem Untergebenen den Vorfall melden und gestattete mir dann, meine Version zu schildern. Ich beteuerte mein Unwissen bzgl. des Fotografierverbotes für alte Dampflokomotiven und berichtete von meinem Versuch, das zu Unrecht gemachte Foto zu beseitigen. Den Film wollte ich nicht hergeben, da er bereits so viele wunderbare Fotografien von der Stadt Beira und dem Strand erhielt. Dann zeigte ich meinen Fotoapparat, versuchte zu zeigen wie man durch ihn hindurchschaut, erklärte, dass ich nur Dias mache, erwähnte die Vorteile eines Polarisationsfilters – aber auch hier wollte niemand hindurchsehen - und quasselte vom kalten Wetter in Deutschland. Dann passierte ersteinmal gar nichts und ich konnte zuschauen, wie man sich einem offensichtlich wichtigeren Fall widmete, dem Beschreiben und Bestempeln eines briefmarkengroßen Papiers. Nach einem kurzen weiteren Gespräch mit mir, bei dem ich wieder mein gesamtes Geldvermögen auf dem Tisch ausbreitete, konnte ich aufstehen und gehen. Ich bedankte mich und wurde, diesmal von zwei Polizisten auf ihren Fahrrädern, zum Hafenausgang begleitet.
Fischerboote an der Praia Nova Nach dem Mittagessen bin ich dann noch einmal in die Stadt gefahren, weil ich mir in den Kopf gesetzt habe, morgen nach Buzi, auf die andere Seite der riesigen Bucht zu fahren, um mich dort mal umzuschauen. Als ich den kleinen Hafenabschnitt, an dem die Schiffe nach Buzi abfuhren, gefunden hatte, erklärte man mir, dass alle Boote beim Cyclon untergegangen seien und deswegen keine Schiffsverbindung nach Buzi mehr bestünde, ich solle aber bei den Fischern auf der Praia Nova mal nachfragen. Also bin ich dort hin und habe mir eine Bootsverbindung von mehreren Fischern geben lassen. Mit einem kleinen Kahn, drei Stunden auf hoher See jeweils hin und zurück für 1.500 Meticais (0,21 DM). Ich glaube, dieses geniale Angebot lasse ich mir ausnahmsweise durch die Lappen gehen. Von der Praia Nova bin ich dann zu Fuß in Richtung Macuti gelaufen und das letzte Stück, wir waren im 'E porchè naô' verabredet, mit einer chapa gefahren. Als ich dort ankam, war zwar keiner da, aber über dem Horizont braute sich ein Gewitter mit vielen Blitzen zusammen, so dass ich mich noch einmal hingesetzt habe. Zu Hause erfuhr von Medardus, dass sich die deutschen Ärzte von Beira im Acampamento treffen sollten, um mit den deutschen Hilfstruppen zu sprechen. Dort angekommen, waren auch tatsächlich einige Leute versammelt um den Ernst der Hochwasserkatastrophe in den südlichen Landesteilen zu besprechen. In der Zeit, in der sich die Ärzte besprachen, unterhielt ich mich angeregt mit zwei weiteren Entwicklungshelfern über deren Projekte.

Dienstag, 07.03.2000

Heute morgen habe ich mich nach dem Frühstück auf den Weg gemacht, die Reisfelder hinter dem Krankenhaus zu durchqueren und hatte einen sehr schönen Spaziergang mit vielen Fotos von netten Leuten, die mich zum Teil bereits aus den Fahrten mit der chapa in die Stadt kannten und deswegen Frauen im Reisfeld besonders freundlich grüßten. Wenn die kleinen Stege durch die Reisfelder überschwemmt waren, gab es immer irgendwo jemanden, der mich an seiner Hütte vorbei durch seinen Hof (Wohnzimmer) zum nächsten Feld geleitet hat, von wo mich wieder ein anderer über den nächsten passierbaren Weg informiert hat. Man wird offensichtlich ständig beobachtet - aber das beruht ja auf Gegenseitigkeit. Interessant war für mich die Feststellung, dass mehrere der vorhandenen Brunnenanlagen gar kein Wasser lieferten und viele sich ihren eigenen Brunnen gegraben haben, aus denen sie das Wasser aus ca. 1 - 2 m Tiefe schöpfen. Nach dem Spaziergang war ich noch am Meer im 'E porchè naô', wo ich Papa getroffen habe.
Als wir dort saßen, kamen zwei Boote mit Ärzten angefahren, die am Strand auf Fahrzeuge gepackt wurden. Die Boote kamen aus dem Überschwemmungsgebiet bei Buzi und eine ältere Amerikanerin, die schon einige Zeit in Beira lebt, klärte mich über die Hilfsmaßnahmen auf. Erste Priorität hat die Verhinderung von Krankheiten und Seuchen; frisches Trinkwasser und Medikamente müssen dazu bereitgestellt werden. Das Hochwasser in Buzi ist bereits abgelaufen, jedoch ist alles von einer zentimeterhohen Schlammschicht bedeckt. Durch den Schlamm wurde auch die Aussaat vernichtet. Bis zum Mittagessen war ich noch ein wenig in dem trüben, aber inzwischen wieder salzig gewordenen Wasser schwimmen. Gegen Mittag kam Gerd aus Chimoio zu Besuch und wir haben, nachdem Medardus endlich aus der Klinik kam, zusammen gegessen. Danach bin ich direkt mit Medardus in die Stadt gefahren, da er ja wieder im „Sindacato“ seine Patientinnen betreute. Von dort aus bin ich zur Teledata, wo ich die Proxy-Server Adresse für den Internetzugang von Medardus erfahren wollte; die Teledata verwendet aber keinen Proxy-Server. Dann bin ich langsam zum Sonnenuntergang Reisebüro gegangen, wo es dann hieß, dass der Flug von Papa tatsächlich umgebucht werden kann. Die schriftliche Bestätigung sollte in ca. einer Stunde kommen. Also bin ich noch etwas herumgelaufen und habe beobachtet, wie eines der unzähligen, riesigen rostigen Schiffe auf dem Schiffsfriedhof mit einem Schweißbrenner zerlegt wurde. Dort erfuhr ich auch, dass alle Schiffe in tragbare Eisenteile zerlegt würden, um diese dann nach Zimbabwe zum Einschmelzen zu fahren. In der gezeigten Arbeitsgeschwindigkeit könnte man in vierzig Jahren eines der Schiffe zerlegt haben. Als ich wieder im Reisebüro war, war natürlich noch keine Bestätigung aus Mutare gekommen. Also wartete ich noch eine Weile, bis mich Medardus dann abgeholt hat. Zusammen sind wir noch zum Händler der Satelliten-Anlage, wo wir allerdings auch unverrichteter Dinge herauskamen. Zum Schluss haben wir Gerd in der Stadt getroffen, sind nach Hause gefahren und haben am 'E porchè naô', wo wir noch weitere Bekannte von Medardus trafen, den Sonnenuntergang genossen.

Mittwoch, 08.03.2000

Heute morgen bin ich mit Gerd nach dem Frühstück über den T' Shugamoyo Markt gelaufen. Gerd wollte dort Werkzeuge für seine Ausbildungsstätte in Chimoio Gerd kaufen, und es war schon lustig zuzusehen, wie die Händler ihre Waren anpriesen und der Preis bei Ablehnung des Angebotes stetig fiel. Danach bin ich alleine wieder zum Reisebüro gegangen, um die Flugbestätigung für Papa abzuholen. Diese bestand aus einem Fax aus einem Reisebüro in Mutare, in dem allerdings nur ein Flug vom 12.03.2000 reserviert wurde (ich fliege in jedem Fall am 11.03.2000 von Harare nach London). Papa ist es hier zu heiß und er ist fest entschlossen, so schnell wie möglich von hier wegzukommen. Er wird also zur Not tatsächlich diese Verbindung nehmen. Wir versuchen aber, ihn am Samstagabend noch in dem angeblich ausgebuchten Flugzeug, mit dem ich fliege, unterzubringen.
Nach dem Besuch im Reisebüro habe ich in der Stadt Fritz getroffen und bin mit ihm zurückgefahren. Nach dem Mittagessen bin ich zuerst zum Strand, habe mich dann aber kurz entschlossen in ein chapa gesetzt und bin noch etwas Bürgersteig in Beira durch die Stadt gelaufen. Dort traf ich Annett, mit der ich noch weiter durch die Stadt gelaufen bin, um Medikamente und Milchglas zur Betrachtung von Röntgenbildern zu besorgen (beides war natürlich nicht zu bekommen). Dann sind wir zum Flughafen gefahren, wo Annett vom Truppenarzt einige Medikamente für die Kinderabteilung im Krankenhaus abholen wollte. Ohne Probleme und Zollformalitäten kamen wir auf das Rollfeld, wo Hubschrauber und Transportflugzeuge landeten und starteten. Außerdem wimmelte es dort von amerikanischen und deutschen (sonnenverbrannten) Soldaten, die an der Hilfsaktion für Moçambique beteiligt sind. Danach sind wir mit Papa und Gerd zum 'E porchè naô' gegangen, wo der Tag mit einem wunderbaren Sonnenuntergang endete. Medardus hatte auch heute wieder Dienst und wir haben ihn kaum gesehen.

Donnerstag, 09.03.2000

Heute morgen bin ich nach dem Frühstück ersteinmal in Richtung Leuchtturm gewandert, wo ich das verlassene und verfallene Hotel besichtigt habe und vom Flachdach eine tolle Aussicht auf den Leuchtturm und die Stadt hatte. In den Reisfeldern Dann bin ich die Straße in Richtung Flughafen gelaufen, um durch die Reisfelder in Richtung Meer zu gehen. Unterwegs habe ich einige schöne Fotos gemacht. Kurz vor den Dünen konnte ich trockenen Fußes nicht weiterlaufen. Eine Mosambikanerin, die in den Felder arbeitete, sagte, ich solle einfach die Schuhe ausziehen und die Hose hochkrempeln, was ich aber natürlich nicht tat. Ich wollte ja keine Filiarien, Überträger der Bilharziose, in die Beine bekommen und durch den Schlamm waten. Als ich mich zierte, erschallte aus verschiedenen Ecken der Reisfelder freundliches Gelächter. Offensichtlich wird man ständig beobachtet und alle bekommen alles mit. Ich bin dann den gleichen Weg zurück und bin ab dem Leuchtturm durch die Brandung zum 'E porchè naô' galaufen, wo auch Papa schon saß. Auf dem Strand, direkt vor dem 'E porchè naô', lag ein großes Wrack eines chinesischen Fischereibootes. Es ist über Nacht dort angetrieben und liegt jetzt einfach so da herum. Angetriebenes Wrack Wahnsinn! Ich bin natürlich direkt hochgeklettert und habe mich ein wenig an Bord umgeschaut. Kurze Zeit später wimmelte es auf dem Schiff nur so von anderen Leuten, die sich wohl angesprochen fühlten, das Schiffswrack auch zu besichtigen.
Zum Mittagessen gab es die Krabben, die wir gestern vor der Haustüre eingekauft haben, in Kokosnusssoße, ganz toll. Nach dem Essen bin ich mit Medardus in die Stadt, wo wir uns noch einmal um das Ticket für Papa gekümmert haben und etwas durch die Stadt gefahren sind. Danach sind wir zum Leuchtturm, haben das Auto dort abgestellt und sind bis zum Fischerdorf gelaufen und dort schwimmen gewesen. Wieder zu Hause sind wir alle Mann ins 'E porchè naô', um den Sonnenuntergang zu genießen. Vor dem Abendessen waren wir noch bei Marcel, der mir die von ihm produzierte CD "visões do além" mit mosambikanischer Musik verkauft hat. Witzigerweise ist dort genau das Lied drauf, das ich einer chapa gehört hatte und unbedingt für meine Diaserie haben wollte. So einfach kann es hier gehen!

Freitag, 10.03.2000

Der letzten Tag der Reise in Mosambique begann ersteinmal mit dem Einpacken der Reisetasche. Danach bin ich noch schnell zum nahegelegenen Markt gelaufen, um für das Mittagessen ein paar Tomaten und Zwiebeln zu kaufen. Wolken am Himmel Natürlich nahm ich die Gelegenheit war, schnell noch einmal in das dahinterliegende Wohngebiet zu gehen und mich dort noch einmal umzusehen. Gegen 11 Uhr kam Medardus dann aus der Klinik, wir verabschiedeten uns von den Angestellten und fuhren in Richtung Westen. Die Fahrt war sehr schön. Sonne, offene Fenster und ein tolles Land. Am Nachmittag trafen wir auf der Landstraße unterwegs Gerd, der gerade aus Mutare kam und dort seine Frau abholte. Der Grenzübergang lief reibungslos und als wir dann in den Eastern Highlands von Zimbabwe waren, hatten wir eine unbeschreibliche Wolkenwand am Himmel. Als es dunkel wurde, hielten wir in einer Hotelanlage, wo man in strohbedeckten Häuschen schlafen konnte. Nach einem ausgiebigen Abendessen beendeten wir den Tag.

Samstag, 11.03.2000

Nach dem Frühstück kauften wir auf dem Hotelgelände noch einige Mitbringsel und fuhren dann, bei leichtem Regen, in die Hauptstadt Harare. Dort gingen wir ein wenig in der Stadt spazieren und suchten bei der Gelegenheit auch ein Reisebüro. Da wir keins fanden, suchten wir nach dem Büro der British Airways, was dann auch mitten im Zentrum fanden. Dort konnten wir, kurz vor Büroschluss das Ticket von Papa so umbuchen, dass er mit dem gleichen Flugzeug wie ich zurückfliegen konnte. Dabei erhielten wir auch gleich die Bordkarten für den Flug und hatten dann noch den ganzen Nachmittag für den Besuch eines Wildparks. Gegen Abend sind wir noch einmal durch das Stadtzentrum gelaufen, haben in einem Restaurant gut zu Abend gegessen und sind dann zum Flughafen. Dort haben wir auf der Aussichtsterrasse noch ein wenig dem Treiben auf dem Flugfeld zugesehen, uns von Medardus verabschiedet und sind nach Hause geflogen.

 
...Ende der Reise